Dichter Qualm dringt aus den Fenstern eines Wohnhauses, im Hintergrund ertönt Sirenengeheul. Für uns kein außergewöhnliches Ereignis – es brennt. Die Freiwilligen Feuerwehren, Deutschlands am weitesten verbreitete Rettungsinstitution, rücken zu einem Einsatz aus.
Doch wie ist es in anderen Ländern, wie etwa der Ukraine oder Brasilien um die Freiwilligen Feuerwehren bestellt? Eine Frage, die sich auch Manfred Hornung stellte. Aus seiner Erfahrung mit Odessa gründete er die „Feuerwehrhilfe International“, um auch in diesen Ländern Hilfe nach bayerischem Vorbild auf die Beine zu stellen.

Hilfsprojekte
Das erste Projekt ließ nicht lange auf sich warten. Die Bekanntschaft mit einem Feuerwehrgeneral aus Odessa brachte Hornung nach Kudriawka, wo zahlreiche Russlanddeutsche für sich eine neue Heimat aufbauten.
Spontan lud er drei von ihnen nach Lappersdorf ein. Innerhalb von drei Monaten erlernten sie die Grundregeln der bayerischen Feuerwehren. Für die Heimreise in die Ukraine wurde ein gebrauchtes Tanklöschfahrzeug organisiert, welches dort seitdem wertvolle Dienste verrichtet.


Bild: Die drei Russlanddeutschen Nikolaj Saremba, Vladimir Kljass, Alexander Diner mit ihren Schutzanzügen vor dem Lappersdorfer Gerätehaus und bei der Fahrzeugübergabe
Aber auch auf der anderen Seite der Erdkugel wurde Hilfe geleistet. Durch die verheerenden Buschbrände in Brasilien, die Jahr für Jahr Hunderttausende von Hektar Wald mit schlimmen Folgen für das Weltklima vernichten, wurde der Floriansjünger Hornung auf die Situation in Südamerika aufmerksam.
Erneut trieb er ein gebrauchtes, gut erhaltenes, bayerisches Tanklöschfahrzeug auf und gab somit die Initialzündung für den Aufbau einer Freiwilligen Feuerwehr in Brasilien. Bis auf die Lackierung ihrer Einsatzfahrzeuge, nämlich Grün, sind die „Anjos Verdes“, die „Grünen Engel“, wie sie in ihrer Heimat genannt werden, ähnlich wie die bayerischen Feuerwehren organisiert.
Das gespendete Tanklöschfahrzeug war in weniger als einem Jahr bereits 276 Mal im Einsatz. Dabei wurden über 22.000 Kilometer zurückgelegt – mehr als in seiner gesamten Dienstzeit in Bayern. Teilweise lagen die Einsatzorte bis zu 500 Kilometer entfernt.
Bild: Anjos Verdes
Als der brasilianische Kommandant Juliano Cardoso kürzlich in Lappersdorf zu Besuch war, berichtete er den Kameraden vom beispiellosen Erfolg und einem für südamerikanische Feuerwehren gänzlich neuem Einsatzfall. Durch den vermehrten Ausbau der Autobahnen kommt es in letzter Zeit immer häufiger zu schweren Verkehrsunfällen, bei denen die Feuerwehr zur Technischen Hilfeleistung herangezogen wird. Im Gegensatz zu Deutschland, wo diese Art des Einsatzes inzwischen die größte Bedeutung hat, sind die brasilianischen Wehren hierfür nicht ausgestattet.
Manfred Hornung zögerte nicht lange und kaufte von der FF Rosenberg einen gebrauchten Rettungsspreizer. Leider konnten die erforderlichen Mittel nur teilweise durch Spenden aufgebracht werden.
Im Zeitraum vom 28. Juli bis 12. August 2003 brachte die Feuerwehrhilfe International unter Leitung des Vorsitzenden Manfred Hornung ein Sonderlöschfahrzeug (TroLF 2000) vom Typ Mercedes Benz 1113 auf die Insel Samos (Griechenland).

Bild: TroLF 2000 vom Typ Mercedes Benz 1113 für die Flughafenfeuerwehr Samos
Aufgrund der guten Kontakte zu dem Ehrenstadtbrandrat von Passau, Herrn Josef Aschenbrenner, der vor ca. 10 Jahren den Aufbau von freiwilligen Feuerwehren auf der Ägäis-Insel Samos stark unterstützte, konnte gezielte Hilfe geleistet werden.
Vorsitzender Manfred Hornung suchte seit längerem ein gut erhaltenes Feuerwehrfahrzeug, jedoch gestaltete sich dies äußerst schwierig, da die finanzielle Haushaltslage der Kommunen ein vorzeitiges Freiwerden von Fahrzeugen erschwerte. Als er im April von einem Lehrgangsleiter der Staatlichen Feuerwehrschule Regensburg, Herrn Albert Schiegl, erfuhr, dass die Esso Werksfeuerwehr in Ingolstadt ein Fahrzeug zur Verfügung stellen würde, war Hornung sichtlich erleichtert. Nun hatte die Suche ein Ende und es konnte mit den Vorbereitungen begonnen werden.
Das gut erhaltene Sonderlöschfahrzeug wurde von den Floriansjüngern der Feuerwehr Lappersdorf generalüberholt und optisch auf einen einwandfreien Zustand hergerichtet. Durch weitere Ausrüstungsgegenstände, wie z. B. Hitzeschutzhauben, Helme, Sicherheitsgurte und diversen Armaturen konnte der Einsatzwert des Fahrzeugs enorm gesteigert werden.

Bild: Oliver Strauß, Alexander Zeug und Christian Reinwald brachten das Sonderlöschfahrzeug wieder auf einen einwandfreien technischen und optischen Zustand
Stationiert wird das Fahrzeug zukünftig nur 600 Meter entfernt vom Flughafen Samos. Das Fahrerteam mit Josef Aschenbrenner (SBR a. D.), Michael Schmid (KBR im Bereich Passau), Albert Schiegl (HBM), sowie Maximilian Landsmann (OBM BF Rgbg.), übernahm die Überführung des Fahrzeugs. Zusätzlich reiste Vorsitzender Manfred Hornung mit dem Flugzeug zur Insel Samos an.
Innerhalb von acht Tagen wurde eine Strecke von 1924 Kilometern auf dem Land, und 2508 Kilometer auf dem Seeweg zurückgelegt. Nach Ankunft in Samos standen innerhalb einer Woche einige Besuche bei verschiedenen Feuerwehrwachen, sowie ein Materialtransport an, bei dem freundlicherweise das Autohaus Hartl einen VW-Transporter zur Verfügung stellte. Die Feuermitglieder von Pythagorion wurden von Albert Schiegl und Maximilian Landsmann ausführlich in das neue Fahrzeug mit Pulverlöschanlage eingewiesen. Außerdem wurden noch Reparaturen an weiteren Fahrzeugen und Pumpen durchgeführt. Ziel war es, Wissen auf freundschaftlicher und kameradschaftlicher Weise zu vermitteln.
Am letzten Abend bedankten sich die Feuerwehrler und der Bürgermeister des Ortes recht herzlich bei Vorsitzenden Hornung und seiner Mannschaft und übereichte eine Auszeichnung der Feuerwehr Pythagorion.